geschrieben von am Januar 19th 2018 in Reise mit 0 Kommentaren

Wenn du nach Kuba reist, fährst du in vergangene Zeiten, kannst erleben, wie die Welt vor einigen Jahrzehnten war. Das war auch meine Idee, als ich damit begann, meine Fototour nach Kuba zu planen. Schnell noch einmal hin, bevor die Öffnung zur Welt Kubas Aussehen nun völlig verändert und sich die dort konservierten alten Zeiten auf ewig verflüchtigen.

Oh toll, du wirst nach Kuba reisen. Wirst dort tolle Fotos machen können von Stränden, Palmen, alten Autos, alten Häusern und alten Menschen mit Zigarre. Wirst eine tolle Zeit haben und dich erholen. Am besten, du machst einen Backpacking-Trip, so kannst du dort auch alles sehen, was es dort zu sehen gibt…

Skoda Felicia Cabrio

Skoda Felicia Cabrio in den Straßen von Trinidad.

Für eine karibische Insel ist Kuba größer, als man zuerst glaubt. Immerhin fast 1.000 Kilometer lang. Man landet etwas außerhalb Havannas und merkt schnell, dass Mobilität auf Kuba zwingend nötig ist, aber ganz anders funktioniert. Wenn es an motorisierten Untersätzen mangelt, ist Kreativität gefragt. Einfach alles kann hier ein Taxi sein. Und jeder ein Taxifahrer. Busse gibt es hier auch, aber um vom Flughafen wegzukommen, ist ein Taxi sicher die beste Wahl. 25 Dollar kostet die Fahrt in die Stadt. Ungefähr. Kann auch mehr sein. Kommt darauf an, wie gut dein Spanisch ist.

Den ersten Abend und die erste Nacht verbringst du in Havanna. Wenn du nicht bereits eine Übernachtung in der Stadt gebucht hast, ein Hotelzimmer oder ein Zimmer in einer privaten Unterkunft, einer so genannten Casa Particulares, kannst du es an Ort und Stelle nachholen. Du kannst deinen Taxifahrer fragen, ob er dir aus seiner Sammlung an Visitenkarten etwas heraussucht. Oder du sagst nach erfolgreich absolvierten Einreisecheck einfach zu einer Person in der Menschentraube, die dich dann am Ausgang des Flughafens empfängt, einfach laut und deutlich ‚Si‘. Vermutlich ist hier sogar ein günstiger Shuttleservice in einem alten Auto ohne Innenverkleidung inbegriffen. Sehr viele Menschen möchten hier mittlerweile Touristen unterbringen und man ist hierbei untereinander hervorragend vernetzt. Unterkunft mieten, Taxi fahren – ist der Anfang erst einmal gemacht, kommst du so von Unterkunft zu Unterkunft quer über die ganze Insel bis zurück nach Havanna und musst dabei kein einziges Mal deinen Koffer tragen.

Pferdefuhrwerk

Fortbewegung auf kubanisch in den Straßen von Trinidad

Die Qualität der Unterkünfte ist bei Lage, Ausstattung und Hygiene variabel, von der Absteige bis zum stilvollem Altbauappartement kann hier alles vertreten sein. Wer hier anspruchsvoll ist, bucht besser vor seinem Urlaub. Und wer bei seinen Fahrten über das Land auf das Abenteuer eines Taxi Colectivo verzichten möchte, nutzt die staatlich geregelten und gut klimatisierten Busunternehmen. Viazul zum Beispiel. Inklusive staatlicher Bürokratie beim Erwerb eines Tickets und satten Verspätungen. Ab und zu. Dein Gepäck musst du dann aber selbst zur Unterkunft tragen und am Start- und Zielort kommst du um eine Taxifahrt oft trotzdem nicht herum. Die Busstationen sind meist etwas außerhalb. Rechne selbst…

Am nächsten Tag führt dich die Reise mit dem Bus oder mit dem Taxi Colectivo weitere 500 Kilometer über das kubanische Land. Du siehst so etwas wie eine Autobahn, ein paar andere Autos, kommst vorbei an karibischen Küstenabschnitten und durch Dörfer, in denen dir das Leben der Menschen nicht so besonders fortschrittlich vorkommt. Es wird gehupt bei jedem Überholvorgang (anderes Auto, Fahrrad, Pferdefuhrwerk). Hupen ist hier immer ein Warnsignal, nie ein Nörgeln. Wenn du mit dem Bus reist, wird an extra für Touristen errichteten Raststätten gestoppt, vor Gebäuden, aus denen die Busfahrer Pakete abholen, vor Häusern, in denen die Busfahrer Pakete wieder abgeben, und bei über die Straße getriebene Rinderherden.

Am Abend bist du an deinem Ziel, einer kleinen alten Stadt unweit der karibischen Küste mitten auf Kuba, angekommen und weißt, nun bist du richtig weit weg von zu Hause. Du zuppelst deinen Rollkoffer vom Busbahnhof zu deiner Unterkunft über uralte Kopfsteinpflasterstraßen, staunst auf deinem Weg über das bunte Treiben in der Stadt. Nachdem die Vermieterin deiner Unterkunft alle Daten über dich und deinem Pass in ihr Gästebuch eingetragen hat, quartierst du dich ein.

alte Stadt, altes Auto

am Rande Trinidads

Der Ort hat sich herausgeputzt. Ist ein hübsches Kleinod an der kubanischen Karibikküste. Ist bunt. Ist alt. Ist voller Gerüche nach Sommer, Essen, Pferden, alten Autos. Ist voller Geräusche von sich amüsierenden Menschen, von geschäftigen Menschen, von Pferden, von alten Autos. Und Musik. Überall Musik. Aus Restaurants, aus Bars, aus Wohnhäusern, aus alten Autos. Alte Musik, neue Musik. Trompeten, Gitarren, Trommeln, Bässe. Das Leben spielt sich hier komplett auf der Straße ab. Abends gehst du mit den Geräuschen der Stadt ins Bett und morgens wachst du mit den Geräuschen der Stadt wieder auf. Da ist der Zwiebelmann, der jeden morgen um halb sieben an deiner Unterkunft vorbeikommt und lautstark die Artikel aus seiner Produktpalette, bestehend aus Knoblauch und Zwiebeln, anpreist. Da sind die ersten Taxis, die durch die Stadt knattern, Hähne krähen, die Menschen beginnen ihr Tagwerk. Bereiten Frühstück für ihre Gäste vor oder bauen an zukünftigen Touristenunterkünften auf ihren Dächern weiter. Deine Unterkunft hat keine dämmenden Fensterscheiben, hat gar keine Fensterscheiben.

Fleischverkäufer

Freitag ist Fleischtag

Du wachst morgens mit der Stadt auf. Duschst dich mit Wasser, das von einem großen Behälter auf dem Dach auf dich herabfällt, und nimmst dein erstes kubanisches Frühstück zu dir. Essen ist hier so eine Sache. Die Qualität ist nicht so besonders. Auch sind die Hygienestandards auf keinem hohen Niveau. Es fehlt an Zutaten, Gewürzen. Der Kaffee ist etwas klebrig – viel Rohrzucker, etwas Espresso. Man gibt sich sehr große Mühe, das Beste aus diesen Bedingungen zu machen. Wirklich sehr große Mühe. Es gibt viel Meeresfrüchte, das ist karibisch und Ropa Vieja, das Nationalgericht Kubas bestehend aus zerkochtem Fleisch, Reis und Bohnen. Es ist höflich, Einladungen zum Essen nicht auszuschlagen, weil du dir sicher sein kannst, dass sich der Gastgeber dafür ein Bein ausgerissen hat. Trotzdem ist es aber auch sehr schön, im Restaurant zu essen. Zwar die gleichen Probleme, was das Essen betrifft, aber meistens tolles Ambiente und immer Super-Cocktails.

Lerne vorher spanisch!

Musikant

Starßenmusiker in Trinidad

Wenn du Kuba und kubanische Menschen fotografierst, ist das eine dankbare Sache. Von Sorgen darüber, ob das Recht am eigenen Bild oder an der eigenen Person verletzt würde, ob man deswegen gleich mal seinen Anwalt anrufen müsste, ist nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil. Man kommt immer miteinander ins Gespräch. Immer.  „Where are you from?“ „Soi Aleman!“ „Aah Deutsch! Alles klar?“ „Alles klar!“ Jeder war schon einmal in Deutschland. Oder kennt jemanden, der schon mal in Deutschland war. Um in Stuttgart bei Porsche eine Lehre gemacht zu haben oder um in Erfurt Forstwirtschaft studiert zu haben. Und die Champions League ist ja mal total cool. Bayern München! Ole! Hier kannst du dich immer über irgendetwas unterhalten. Und immer bekommst du etwas angeboten. Eine Taxifahrt. Eine Unterkunft. Einen Besuch im allerbesten Restaurant der Stadt, ach was, der Insel. Einen Wegweiser, wenn du so wirkst, als hättest du dich verlaufen. Eine Kutschfahrt, wenn du außerhalb der Stadt verloren an einer Kreuzung stehst.

Chevrolet

alter Chevrolet in den Straßen Havannas

der Schuhputzer aus Trinidad

der Schuhputzer aus Trinidad

Rast mit Oldtimer

kurz rasten zur Mittagszeit

blaus Auto vor grünem Haus

nur mal kurz zu Besuch

Sonnencreme und Mückentötolin

karibischer Strand

Am karibischen Strand

Bist du schon einmal im karibischen Meer geschwommen? Herrlich in diesem klaren, salzigen badewannenwarmen Wasser. Unter dir tummeln sich Aquariumfische. Am Strand Palmen, Sonnenschirme, eine Bar und Pedro, der auf dein Fahrrad aufpasst. Einsiedlerkrebse schleppen ihre Wohnungen über den weißen Sand. Klingt nach einem Klischee? Hast recht. Ist es auch. Und manchmal parkt sogar noch ein Oldtimer im Schatten der Palme. Aber sei vor dem Sonnenuntergang lieber verschwunden. Im Gebüsch warten eine Milliarde Moskitos darauf, dich nach deinem erholsamen Strandtag zahlreich zu überfallen und gierig auszusaugen.

Reise einmal nach Kuba. Du wirst dort weiße Strände sehen, Palmen, bunte Menschen und alte Autos. Wirst Cocktails trinken. Erhältst eine Kostprobe davon, wie einfach es sein kann, glücklich zu leben. Wirst dich erholen. Wirst neue Freunde haben. Wenn du möchtest.

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